Das Buch

Ich weiß nicht, welcher Impuls, welcher innere Antrieb dem zugrunde lag. Vielleicht die Suche nach etwas Neuem. Vielleicht der Versuch, eine Erfahrung zu machen, die mich wieder spüren ließ, dass ich noch Teil einer Welt war, die nicht nur aus Tabs, Mails und dem Summen meines Rechners bestand.

Sabrina war nicht hübsch — weder ihre Figur noch ihr Gesicht. Ein Mundwinkel zeigte leicht nach unten, als hätte das Leben ihn dort festgenagelt. Nicht aus Bosheit, sondern aus Routine. Manche Menschen werden nicht vom Schicksal getroffen, sondern vom Alltag langsam schief gerückt. Sie hatte diese Art von Erscheinung, die nicht durch Schönheit definiert wird...

Ulfs Lieblingsthema war Ficken und alles was mit Sex zu tun hatte, und daher erforschte er jegliche Lebensmittel auf ihre aphrodisierende Eigenschaften hin und teilte seine Erkenntnisse gerne mit anderen...

Der Altrocker mit einer Kutte, die schon bessere Tage gesehen hatte — aber genau deshalb wertvoll war. Nicht materiell, sondern ideell. Nicht wegen des Stoffes, sondern wegen der Schichten, die sich darauf abgelagert hatten: Bier, Schweiß, Aufnäher, Nächte, die nie wieder kommen, und Geschichten, die nur im Nebel der Clubs existierten, weil man sie nüchtern nicht glauben würde...Er stand am Tresen wie ein Denkmal aus einer Epoche, in der Gitarren noch brüllten, Clubs noch Nebelmaschinen brauchten und Rausschmeißer noch echte Autoritäten waren. 

Enge Jeans, traeger- und bauchfreies ganz kurzes Top aus einem schmalen Band von dünnem Stoff das ihre Teeny Tittchen notduerftig bedeckte, aber eine erwachsene Frau ohne Zweifel. Ein Tattoo zwischen Hosenbund und dem gepiercten Bauchnabel, Buchstaben, die aussahen, als hätten sie eine Bedeutung, die man nur versteht, wenn man die richtige Nacht erlebt hat. Ich verstand sie nicht — mein Gehirn war zu diesem Zeitpunkt bereits im Notstrombetrieb. Dunkler Taint, blonde geflochtene Haare, ein Kontrast der sofort ins Auge stach, selbst in diesem schummrigen Licht. Eine erwachsene Frau.... 

Lena war heute nicht da. Die Bedienungen wechseln hier wie andere Leute ihre Unterhose – manchmal mehrmals am Tag, wenn es schlecht läuft. Und heute lief es schlecht. Hinter dem Tresen stand ein Typ, den ich noch nie gesehen hatte. So ein junger, übermotivierter, der aussah, als hätte er sich vor dem Spiegel eingeredet, dass er „das schon hinkriegt“. Er hatte diesen Blick, der sagt: Ich bin neu hier, bitte seid nett zu mir. Und gleichzeitig diesen Körper, der sagt: Ich werde heute mindestens einmal absolut versagen.

Und Ralf machte tierisch Stimmung. Nicht ein bisschen, nicht beiläufig — er ging "All In".  Er sang mit, laut, falsch, aber mit einer Überzeugung, die man sonst nur bei Wahlkampfveranstaltungen sieht. Er wedelte mit den Armen über dem Kopf, als würde er gerade versuchen, den gesamten linken Flügel der Partei aus dem Koma zu holen.

      Im Buch QR Codes mit YouTube Links zu den passenden Songs:

Ein Kneipenjahr um die verrückten Erlebnisse von Jonas Helmchen

Eine 22‑teilige Reise durch die Kneipenkultur, erzählt als Milieustudie eines Mannes, der in jedem Kapitel eine neue Tür aufstößt – zu Menschen, Geschichten und Abgründen, die ihn langsam verändern, während er sich durch die Kneipen trinkt, raucht, nölt, gafft und liebt.

Jetzt vorbestellen:  Erschienen im Trinker Verlag

Als Taschenbuch oder E-Book erhältlich. Gerne können auch Autorenlesungen in Buchhandlung oder Kneipe gebucht werden.

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